S C H U L G E S C H I C H T E N


Alte Schulgeschichten

All diese Schulgeschichten hat sich Frau Hilde Pomeranz für das THG noch einmal in Erinnerung gerufen und für uns aufgeschrieben:

 

Im Land des Lächelns

Jürgen Encke war ein Schüler, der immer lachte, egal, in welcher Situation er sich befand. Ging es im Unterricht lustig zu, Jürgen lachte, hielt uns ein Lehrer eine kräftige Standpauke, Jürgen lächelte. Und wegen dieses immerwährenden Lächelns musste sich Jürgen während seiner Schulzeit so manchen Anschnauzer gefallen lassen. Er brachte fast jeden Lehrer zur Verzweiflung.

Pius: "Jürgen, höre sofort auf zu lachen!" Jürgen: "Ich habe nicht gelacht!" Pius: "Doch, du hast wohl gelacht!" Jürgen: "Nein, ich habe nicht gelacht!" Pius: "Dann hast du gegrinst!" Als wir einen neuen Lehrer zugeteilt bekamen und jeder von uns sich vorstellen musste, wollte Jürgen wohl von Anfang an jedweger Ohrfeige und jedem ungerechten Rüffel vorbeugen, stand auf und sagte freundlich: "Ich heiße Jürgen Encke, und wenn ich lache, dann kann ich nix dafür !!!"  

Ungeschminkt

In der Klasse meiner Schwester Irmgard - Jahrgang 1934 - begannen die ersten Mädchen, sich heimlich zu schminken, und das war strengstens untersagt! Am mutigsten war Marlies, und oft wurde sie von einem Lehrer auf die Toilette geschickt, um sich die Kriegsbemalung wieder abzuwaschen. Eines Tages kam Marlies froh in die Schule und strahlte: "Kinder, ich habe jetzt einen Lippenstift, der ist am Anfang völlig farblos und wird erst nach und nach rot!" Jedes der Mädchen wollte natürlich dieses Prachtstück ausprobieren. Unbeholfen und ohne Spiegel bemalten sie sich die Lippen kreuz und quer und saßen anschließend stolz in der Klasse: Endlich hatten sie die Lehrer überlistet! Aber o Schreck! So nach und nach trat die rote Farbe ans Tageslicht, und die Mädchen sahen mit ihren bemalten Mäulern aus wie die Menschenfresser!

 

Schulspeisung

In der großen Pause standen auf dem Schulhof riesige Kübel mit Suppe bereit, und jeder Schüler stellte sich mit seinem von zu Hause mitgebrachten Becher in Reih und Glied auf, um sich seine Portion Schulspeisung abzuholen. Haferflocken, Nudeln und Grieß wechselten sich ab, am beliebtesten aber war die Grießsuppe mit Rosinen.
Herr Bockemühl, von uns allen liebevoll "Bockes" genannt, hatte Pausenaufsicht und beobachtete mich und einige meiner Klassenkameradinnen mit amüsiertem Schnurrbartzucken, wie wir lustlos in unserer Grießsuppe herumrührten, weil wir nicht eine Rosine erwischt hatten.
"Kommt mal mit!", rief Bockes uns zu sich und ging mit uns zu den Suppenbehältern. Bedächtig nahm er die Suppenkelle in die Hand, rührte langsam dreimal rechts herum und dann blitzschnell einmal nach links, und schwups hatte er eine ganze Menge Rosinen für uns im Löffel.
"Kinder, ihr müßt nur die Trägheit der Masse ausnutzen, das ist alles!!!"
 

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