M O U N T A I N B I K I N G

 

Mountainbiking

von Emmanuel Kugland  

Guten Tag! Es ist ja nu doch eine recht lange Zeitspanne vergangen, seit diese Seite das letzte Mal aktualisiert wurde, aber hier ist es nun, das wahrscheinlich (hoffentlich) lang erwartete Update zum Thema Mountainbikes!

Zum Thema Genesis Geometrie

Zuerst einmal möchte ich mich gerne zum Thema Genesis Geometrie äußern. Ich bin selber ca. 1 ½ Jahre lang ein Gary Fisher mit Genesis Geometrie gefahren, also mit steilerem Lenkwinkel und nach hinten verlagerter Sitzposition. Mein persönliches Fazit ist als durchweg positiv zu bezeichnen: Man hat wirklich höllisch viel Spaß auf Trails und Abfahrten, das Bike lenkt sich viel mehr über Gewichtsverlagerung, als man das gewohnt ist, und ist extrem wendig. Eine wirklich geniale Sache das, auch, weil man durch die nach hinten verlagerte Sitzposition über Stufen, die man vorher für unfahrbar hielt, einfach drüberrollt. Da gibt's kein Überschlaggefühl oder nix mehr!!!!

Klettern tun die Genesisbikes sehr gut, was auf die verkürzten Kettenstreben zurückzuführen ist, die auch den verkürzten Vorbau wieder ausgleichen, zumindest fühlt es sich so an. Dazu: Normalerweise ist es ja so, dass ein Bike mit einem extrem kurzen Vorbau (bei meinem waren es 95mm bei einer Rahmengröße von 19.5") an Steigungen dazu neigt, vorne herum "leicht" zu werden, das heißt also, sich aufzubäumen, was ja doch extrem störend sein kann. Ein solches Verhalten konnte ich bei meinem Bike fast gar nicht, bzw. in einem Maße beobachten, das ich bei der Vorbaulänge so klein nicht erwartet hatte, nur an allersteilsten Rampen ging das Bike vorne hoch.

Die bereits angesprochenen extrem kurzen Kettenstreben, bei Hardtails von Fisher sind es so um die 412 mm, bewirken auch eine extrem gute Beschleunigung, wobei man sich das allerdings mit den falschen Laufrädern und Reifen wieder sehr gut verbauen kann. Im Klartext will ich sagen: Mit leichten Laufrädern, Schläuchen und Mänteln gehen die Fisherbikes ab wie Schmitz' Katze!!!! Eine wirklich mehr als geniale Eigenschaft, kann ich nur sagen, da man auch bei kurzen Zwischenspurts in Trails ganz sicher die Nase vorne hat, da man einfach weniger Raum zum Beschleunigen braucht als alle anderen, ein wenig Kondition und die Tatsache, dass die anderen keine Fisherbikes fahren, vorausgesetzt.

Überlegt man sich jetzt noch, dass eigentlich die meisten der maßgeschneiderten Profibikes eine ähnliche Geometrie aufweisen, bleiben eigentlich keine Gelegenheiten mehr zum Meckern.... Und doch, einen einzigen winzigen, zu vernachlässigenden, minimalen etc... Nachteil habe ich gefunden: Auf längeren Strecken verlangte mein Fisher aufgrund der höheren Wendigkeit nach etwas mehr Konzentration, was auf die Dauer doch leicht ermüdend sein kann. Ich meine, wer kennt das nicht: Man ist gerade auf den letzten Kilometern einer langen Ausfahrt, hat so 90 bis 100 km in den Beine und ist infolgedessen vielleicht doch schon leicht erschöpft, und dann kommt auch noch nasses Laub oder was auch immer. Und war man vorher noch im Delirium des ruhigen Daherkurbelns, findet man sich Sekunden später irgendwo in der Pampe wieder, was dann meist für viel Gelächter sorgt... Ich muß allerdings sagen, dass ich letztes Jahr nur einen Sturz hatte, der auf dies zurückzuführen wäre, was nicht daran liegt, dass ich nur zweimal fahren war.....

Nun ja, wie dem auch sei, einige werden sicher bemerkt haben, dass ich mit ausgesuchter Aufmerksamkeit Vergangenheitstempora benutze, wenn ich über das Fisher rede... Und das kam so: Eines Tages begab es sich, dass ich mein Bike abstellte, irgendwo in der weiten Welt, und mich ungefähr 10 m weiter aufhielt. Dann geschah es, dass einige Kinder mein Bike entdeckten, und einfach mal so daran rumspielten. Man kennt das ja: Mal hier an der Bremse gezogen, mal gucken, wie leicht das Rad ist etc...., kurzum, das nächste, was ich sah, war, dass mein Bike umfiel, und dummerweise mit ziemlicher Wucht auf einen Betonklotz aufschlug, der bleibende Eindrücke hinterließ.

Es ist wohl überflüssig zu sagen, dass ich leicht empört und auch nur minimal wütend war, besonders, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Schaden irreparabel war. Also, ich an den Übeltäter geschrieben, und den Rest erledigte dann die Versicherung, was ich sehr nett fand, da auch keinerlei Anstalten gemacht wurden, mir nicht zu meinem Recht zu verhelfen. Wie dem auch sei, danach musste ich mich notgedrungen nach einem neuen Rahmen umsehen, und da ich gerade ein wenig flüssig war, fiel meine Wahl dann auch auf den einzigen, den ultimativen, genialen Hardtailrahmen, den die Mountainbikewelt dem Hardtailfreak anbietet.

UND ICH TAT ES: Ich erstand einen Vertex T.O. Rahmen von ROCKY MOUNTAIN!!!

Und es ist gut, es ist so unsäglich gut, dass man das gar nicht mehr in Worte fassen kann, weshalb ich jetzt an dieser Stelle gerne zu den Komponenten übergehen möchte, da sich auf dem Gebiet ja auch nette Dinge ergeben haben.

Die Zweifach-Kurbel

ALSO, ich werde nun etwas zu einem Teil sagen, das mir wirklich am Herzen liegt: Die Zweifach-Kurbel. Ich habe irgendwie schon immer auf so etwas gewartet, muß ich sagen. Das Prinzip der ganzen Angelegenheit ist an sich simpel: Man ist einigermaßen fit, fährt vielleicht auch ab und an mal Rennen und alles, was einen an seinem Bike stört, sind die Kettenklemmer, die natürlich gerade im Rennen auftreten, meist dann, wenn man sie wirklich gar nicht gebrauchen kann. Man stelle sich nur einmal folgende Situation vor: Man fährt mitten im Feld irgendwo auf eine wirklich steile Steigung zu, und ist der Meinung, dass man aufs kleinste Kettenblatt schalten muss. Man bewegt also den Schalthebel und als nächstes hört man ein sehr hässliches Geräusch, das nur von einer verklemmten Kette herrühren kann. Man muß also absteigen, und bis man die Kette, oft nur unter rohem Gewalteinsatz, wieder frei hat, ist der Rest der Rennteilnehmer meist schon so weit weg, dass man sich oft gar nicht mehr aufmachen muss, hinterherzufahren, da man eh' schon verloren und mindestens 1½ Minuten Rückstand hat.

Da solche Kettenklemmer bevorzugt bei Schaltvorgängen auf das kleinste Kettenblatt auftreten, scheint die Lösung ja einfach: Man montiert das kleine Kettenblatt ab und blockiert den Umwerfer, sodass er nur noch bis aufs zweite Blatt runterschaltet. Ok, das mag zwar sinnvoll erscheinen, ist es aber nicht wirklich, da so was erstens ganz dumm aussieht und zweitens ein noch viel schlimmeres Problem entstehen lässt. Hat man nämlich nur noch zwei von ehemals drei Blättern zur Verfügung, dann stößt man, gerade an längeren Steigungen schnell an seine Grenzen, da man gezwungen ist, vorne dauerhaft eine 34er Scheibe (ungefähr jedes zweite Kettenblatt hat 34 Zähne, obwohl es auch welche mit weniger oder mehr gibt) zu treten, was auf Dauer gar nicht lustig ist. Die Lösung des Problems bieten nun die Zweifach-Kurbeln. Hier hat man die Auswahl zwischen Zahnzahlen von 28 bis 32 Zähnen am kleineren der zwei Kettenblätter, und wenn man dann auch noch ein 34er Ritzel hat, kann eigentlich keine Steigung mehr zu steil sein. Es ist zwar nun so, dass man nicht mehr dieses entspannte Hochkurbeln hat, als ob man so etwas wie 22/34 tritt, aber mal ehrlich: Bei einigermaßen sportlicher Fahrweise nutze ich diese Untersetzungen doch wohl eher selten, wenn überhaupt (Ich bin ein Jahr lang gefahren ohne aufs kleine Kettenblatt zu schalten), oder??!! Und sollte man an eine Steigung kommen, die eine derart kleine Übersetzung erfordert, steigt man doch wohl eher ab, da man zu Fuß doch sowieso schneller ist.

Ich bin mit zwei Kettenblättern letzten Sommer in den Alpen gefahren und hatte keinerlei Probleme, bin überall hochgefahren ohne auch nur an ein kleineres Blatt zu denken. Damit wäre ich auch schon am nächsten Punkt angelangt: Die Tipps zu Gegenden, wo man echt gut biken kann.

Wo man echt gut biken kann

Also da wären als erstes einmal die Alpenregionen. Ich war in den letzen beiden Jahren in Flachau und in der Nähe von Garmisch, beides in Österreich, und kann eigentlich nur beides empfehlen. Flachau ist was für Genießer, viel Ziehwege und lange gemäßigte Pisten mit wenigen wirklich technisch anspruchsvollen Stücken, obwohl die dann doch auch einiges können. Anders ist die Gegend um die Zugspitze: Da, wo ich war, habe ich die technisch anspruchsvollsten Downhills und Anstiege gesehen, die ich bisher erlebt habe. An den ersten ein, zwei Tagen hatte ich so was von die Hosen voll, das war gar nicht mehr schön, aber danach, nach einer Eingewöhnungsphase, war es nur noch genial!!!!!! Es war wirklich alles, was man sich nur wünschen konnte gegeben: Konditionell und technisch herausfordernde Anstiege über teilweise mehr als 1000 Höhenmeter am Stück, extrem gute Ausblicke auch, aber auch wirklich spaßige Trails und Downhills, die sowohl durch Wald, über weichen Boden und solche Fiesheiten wie Baumwurzeln in höheren Zahlen führten, aber auch richtig heftige Sachen über Fels- oder Schotterboden, mit Stufen und Rinnen, die sich meistens mehr als gewaschen hatten. Meist war jeder Downhill eine Kombination aus beidem, oben Fels und unten dann Wald. Ziemlich geil.

Weiterhin empfehlen kann ich die Gegend um Willingen herum: Moderate Höhenmeter (obwohl man auch wirklich gut erschöpft sein wird), super-anspruchsvolle Trails über Waldboden mit viel Wurzelzeug dazwischen und andere Feinheiten, die das Leben schöner machen. Zu Willingen muß ich aber leider sagen: Ich war im Sommer da und ich bin fast totgetrampelt und -gefahren worden. Grauenhaft viele Leute, die überall sind und bevorzugt direkt hinter Kurven auftauchen.

Die dritte und letzte Region, wo man meiner Meinung nach hervorragend biken kann, ist die Gegend in Essens Süden, also der Baldeneysee (besser gesagt die Höhen darum), Werden Kettwig und Schuir, aber auch Isenbügel und Velbert. Ziemlich nette Gegend, das, mit vielen, zugegebenermaßen nicht langen, aber sehr interessanten Trails. Man muss zwar immer wieder Asphaltstraßen fahren, aber wenn man es geschickt macht, kann man durchaus eine 50 km Runde fahren und dabei nur maximal 10% Straße gefahren sein. Sehr nett, und auch immer einen Besuch wert. Das wirklich Geniale ist aber, meiner Meinung nach, dass man alles Mögliche fahren kann. Es gibt reine CC-Strecken, einige extrem geile, wenn auch kurze Downhills (der längste ist wohl so um die 1.5 km lang) und jede Menge Trails, die man teils richtig schön "surfen" kann, also mit gleichmäßig hoher Geschwindigkeit runterschwingen, die teils aber auch recht hohe fahrtechnische Anforderungen stellen. Interessant sind auch die Stellen im Wald, wo irgendwelche Löcher (meiner Meinung nach müssten das Bombenkrater sein, aber es gibt auch andere Ansichten) solcherart geformt sind, dass sie einfach perfekt dazu geschaffen sind, mit dem dirtbike darin herumzuspringen und viel Spaß zu haben. Nur um das klarzustellen: Ich unterstütze in keiner Weise irgendwelche wilden Strecken, die in den Wald gebuddelt sind. Meiner Meinung nach darf man solche Gegebenheiten wie die oben genannten Bombenkrater nur nutzen, wenn dabei KEIN Lebensraum für Tiere zerstört und wertvolle Pflanzenwelt geschädigt wird. Aber egal, weiter im Text...

Was ich eigentlich schon immer mal sagen wollte, werde ich nun hier als Schlusswort anbringen: Ich finde es äußerst traurig, wenn die erste oder zweite Frage, die andere Biker, die man so trifft, an dich stellen, sich mit dem Preis und dem jetzigen Wert deines Bikes beschäftigt. Ich HASSE das!!!! Es geht doch wohl nicht darum, wessen Untersatz mehr gekostet hat, sondern wer fahrerisch, sei es nun konditionell oder fahrtechnisch, mehr auf dem Kasten hat?! Also, dann mal bis demnächst in diesem Theater....

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