Sarah Freutel

WAZ Kettwig, 5. Oktober 2011

"Wir sind nicht immer friedlich"
Die Kettwigerin Sarah Freutel will in der Bundesliga bestehen

Henrik Stan

Was sie sich vorgenommen hat, möchte sie auch erreichen: Sarah Freutel, l9-jährige Bundesligaspielerin des SG Schönebeck fand mit elf Jahren zum Fußball. Und kurze Zeit später wusste sie auch, welchen Beruf sie ergreifen möchte, .,Nach dem Abi werde ich mich für Kinder- und Jugendpsychologie einschreiben", sagt sie selbstbewusst und stellt sich damit einer Herausforderung, die für ein männliches Pendant mit Profivertrag auf dem Sprung in die erste Elf eines Bundesligisten gar kein Thema wäre.

Die treuestens Fans sind meistens Männer

Woran männliche Jungstars wie Julian Draxler keinen Gedanken verschwenden müssen, empfindet Sarah Freutel als unproblematisch, mehr noch, als vorteilhaft. „Es hilft auf dem Boden zu bleiben, wenn man neben dem Fußball auch andere Dinge im Leben kennenlernt." Dazu gehört auch, dass sie wie ihre Mannschaftskameradinnen ihre Schuhe selbst putzt.
    Die junge Kcttwigerin möchte sich ins Blickfeld von Trainer Markus Högner spielen. Einige Kurzeinsätze hat sie in dieser Spielzeit schon absolveren dürfen. Richtig treue

Fans haben die Schönebeckerinnen natürlich auch. Überwiegend männliche übrigens. "Viele von ihnen verpassen keine Trainingseinhheit, die meisten sind wirkliche Experten." Sie schätzen, dass die Sprtart einen enormen Aufschwung nimmt: Er wird schneller, athletischer, attraktiver. Und ist keineswegs immer so sagenhaft fair, wie viele glauben. "Wir sind nicht immer nett und friedlich zueinander", stellt die Rechtsaußen klar. "Auch bei uns gibt's Nickeligkeiten und Meckerei." Nach einem Jahr beim FSV wechselte Sarah Freutel mit zwölf Jahren nach Schönebeck. Sie war zuvor von einem Scout beobachtet worden. Als sie sich im Verein vorstellte, rannte sie offene Türen ein. Ihre Eltern hatten nichts einzuwenden. Im Gegenteil. „Sie haben mich immer brav hin und zurück chauffiert." Bis zur U 17 probierte die talentierte Schülerin etliche Positionen. „Ich habe mich auf etlichen Positionen versucht und bin dankbar, dass ich die Zeit hatte, meine Stärken zu erkennen." Auf Rechtsaußen fühlt sie sich am wohlsten. "Da kann ich meine Schnelligkeit nutzen." Dass Mädchen heutzutage möglichst lang mit Jungs zusammenspielen, begrüßt Sarah Freutel. "Das kann nur von Vorteil sein für Belastbarkeit und Körperbewusstsein." Sie selbst konnte von dieser Praxis nicht profitieren.

Und bedauert das ein wenig. Für positiv hält das Talent die voran schreitende Professionalisierung des Frauenfußballs. „Unsere Trainingseinheiten sind optimal aufeinander abgestimmt. Wir arbeiten viel mit dem Ball, die physiotherapeutische Abteilung hat ein hohes Niveau." Zudem sei die Stimmung in Kader und Stab sehr freundschaftlich und kollegial. „Berufstätige Spielerinnen geraten schnell einmal in Stress und sind dankbar, etwa für Hilfe bei der Wohnungssuche." Sarah Freutel plagen derlei Probleme (noch) nicht. Und sie ist heilfroh darüber. "Im Gegensalz zu vielen anderen habe ich ein dickes Zeitpolster." Zumindest bis zum kommenden Frühjahr. Dann steht das Abi am THG an. Leistungskurse: Deutsch und - als Vorbereitung aufs Wunschfach an der Uni - Pädagogik. „Sport wurde leider nicht angeboten."

BUNDESLIGA

Premiere mit 16
Bundesligaluft schnupperte Sarah Freutel erstmals als 16-Jährige im Februar 2009 beim 2:2 der SG Schönebeck gegen Bayern München, die mit 7000 Zuschauern beeindruckendste Kulisse genoss sie in Potsdam. Derlei ist im Frauenfußball aber noch die absolute Ausnahme.