History Award 2011

Grau meliertes Haar und eine Stimme wie kein anderer, vorne steht er, Guido Knopp. Der ZDF-Historiker steht vor den gefüllten Rängen des Filmcasinos München. Er diskutiert mit Auma Obama, der Halbschwester Barack Obamas über Grenzen. Sie erzählt von ihrem Studium in Deutschland und ihrem Ausflug in eine Alternativfamilie, jedoch wird man den Gedanken nicht los, dass die Fragen von Knopp über ihren Bruder sie verständlicherweise zu nerven scheinen. Der Grund für ihr Aufeinandertreffen ist der History Award 2011, der jährlich, seit 2005 veranstaltete Wettbewerb behandelt zum 60. Jahrestag des Mauer Baus das Hauptthema Grenzen. Als Preis winken 2500 Euro, ein Pokal, sowie Aufsehen durch Fernsehen und Zeitung erregt. Schüler sollen dabei filmisch Grenzfragen ihrer Wahl behandeln.

Nun kommen wir zu uns, Melvin Rinas, Jan-Niklas Offermanns, Alexander Franzen und Jonas Hüster. Bangend starren wir auf einen Mann, der irgendetwas Wichtiges zu sagen hat und gefühlt ewig lang redet, jedoch ist viel wichtiger, dass er die Gewinner des Awards verkündet. Beginnen wir aber von vorn…

Wir vier sitzen allein in Raum 206, Drehbeginn für unsere Gruppe, Grenzgänger. Nach zweieinhalb Stunden und neun Sekunden Filmmaterial wird jedoch klar, dass dieses Projekt schwerer wird als gedacht. Für den History Award planen wir einen Film über Grenzgänger, also über Personen, die ungewöhnliche und außergewöhnliche Grenzen überstritten haben. Dazu zählen wir Martin Luther, die Soldaten des Weihnachtsfriedens von 1914, die Mitglieder der Weißen Rose und die Bürger der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Unser Plan: wir präsentieren eine Dokumentation, die von zwei Moderatoren begleitet wird und mit Beiträgen zu den unterschiedlichen Personen visuell unterstützt werden soll. Hilfe erhielten wir unter anderem durch Herrn Reindel, der uns ein Interview mit dem Buchautor und Historiker Prof. Dr. Krumeich ermöglichte, weitere Interviewpartner waren die evangelische Pfarrerin Carolina Baltes, eine ehemalige Bürgerin der DDR, und Sebastian Burre. Nachdem der Dreh mit Tausenden von Outtakes beendet war, begann erst die richtige Arbeit. Über mehrere Wochen hinweg bearbeiteten wir fast wöchentlich unseren Film, Sprechertexte wurden aufgenommen, ein Intro mit eigens produzierter Musik erstellt und noch vieles mehr.
Der Anfang der Osterferien war dann auch für uns das Ende der Filmbearbeitung. Nach technischen Problemen luden wir den Film dann auf den Server des History Awards hoch. Innerhalb von zwei Wochen konnte dann für den besten der circa 30 Finalisten, unter denen wir uns befanden, gevotet werden, jedoch wurde dies uns noch zum Verhängnis. Das Onlineergebnis würde dann mit dem Urteil einer Fachjury den Sieger küren. Für unser Projekt warben wir via Facebook, der THG-Website und einem kleinen Artikel im Kettwiger Kurier. Nach den Ferien und dem Ende der Votinglaufzeit, erhielten wir eine Einladung zur Preisverleihung nach München ins Filmcasino am Odeonsplatz. Unser größtes Problem, die Anreise nach München, Bahn und Flugzeug wären zu teuer und eine Autofahrt würde fast acht Stunden dauern. Des Weiterem: wer könnte uns überhaupt fahren?

Nachdem wir dann eigentlich schon mit der Preisverleihung abgeschlossen hatten, entschlossen sich zwei unserer Gruppe (Melvin Rinas und Alexander Franzen) mit dem Flugzeug zu fliegen, aber auch die restlichen zwei erhielten die Möglichkeit, nach München zu reisen, da sich der Vater von Jan-Niklas Offermanns dazu entschloss, die lange Fahrt auf sich zu nehmen und uns mit dem Auto zu fahren. Die Gruppe spaltete sich also nun, die Autogruppe fuhr am 10. Mai los, einen Tag vor der Preisverleihung. Vorerst war das Ziel ein Hotel nahe München und am nächsten Tag würden wir dann wieder "zusammenschmelzen".

Als der nächste Tag dann kam, trafen wir uns am Odeonsplatz. Im Filmcasino gab es einen Empfang mit Essen und Getränken. Die Nervosität stieg immer mehr an, bis wir dann im Saal saßen, der für circa 175 Personen Platz bot. Wir saßen in den hinteren Ränge, am Rand und so liefen nacheinander Guido Knopp und Auma Obama an uns vorbei. Auch ein Kamerateam war anwesend, das die Teilnehmer sowie die mehr oder weniger berühmten Gäste filmte, auch wir bekamen ein paar Ruhmesminuten, jedoch ist uns leider nicht bekannt, ob das Material auch gesendet wurde.

Nun warten wir dort gespannt auf das Ergebnis und die Verkündung beginnt… 10. Platz, 9. Platz, 8. Platz, 7. Platz, 6. Platz, 5. Platz, 4. Platz und unsere Gruppe wird nicht genannt. Eine Position unter den Top 3 ist uns sicher, dachten wir, aber als der dritte sowie der zweite Platz an andere Gruppen ging, erahnten wir schon eine Niederlage. Wir behielten Recht. Gewinner wurde die Klasse 10b der Stephanusschule in Krefeld. Der Gewinner hat zwar verdient gewonnen, aber nicht einmal eine Platzierung unter den Top 10, war enttäuschend, später erfuhren wir dann noch, dass wir laut der Jury unter den besten fünf gelandet wären. Wir erhielten noch eine Urkunde, Werbegeschenke und verbrachten noch einen schönen Tag in München, aber die Enttäuschung überwiegte noch ein paar Tage.

Schlussendlich kann man diesen Wettbewerb sowie andere vergleichbare Veranstaltungen nur weitermpfehlen. Die Erfahrung und Zusammenarbeit mit Freunden hat sich gelohnt und es ist ja nicht immer eine Fahrt nach München nötig.

Jonas Hüster

Jonas Hüster, Jan-Niklas Offermanns, Alexander Franzen und Melvin Rinas

Im Filmcasino/Saal

Vorm Filmcasino