Energie. Zukunft. Gestalten.

3 Tage im Klimacamp Mönchengladbach.

Anfang des Jahres wurden wir im Erdkunde LK auf ein Projekt des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie in Kooperation mit E.ON aufmerksam: Das Klimacamp. Interessiert am so viel diskutierten Thema meldeten zwei Freundinnen (Lara Huyssen, Tina Sunjic) und ich uns dort an. Unsere Erwartungen waren allerdings eher gemischt, klingt doch "Klimacamp" sehr nach Zeltlager und Ökoprotestaktion und lässt "E.ON - sponsored" auf einseitige Beleuchtung der Energiepolitik schließen. Doch diese Befürchtungen wurden glücklicherweise nicht im Geringsten bewahrheitet. Wir wohnten nicht in muffeligen Zelten, sondern komfortabel in großen Doppelzimmern des Wilhelm-Kliewer-Hauses in Mönchengladbach und waren durch vier Mahlzeiten am Tag mehr als ausreichend versorgt. Inhaltlich setzten wir uns mit unserem eigenen klimafreundlichen oder eben klimaunfreundlichen Verhalten auseinander, indem wir einen persönlichen Test (www.footprint.ch) machten und uns Kurzfilme (z.B. The Story of Stuff) ansahen. Gut ausgestattet durch Zeit, das große Gelände und verschiedenste Medien (Videokamera, Beamer, Flachbildfernseher, Flipcharts und Laptops) entwickelten wir in Gruppen kurze Spots, die Menschen für ihr eigenes Konsumverhalten und die Auswirkungen für die Umwelt sensibilisieren sollten. Dabei hatten wir viel Spaß und es entbrannte schon die erste Diskussion darüber, inwiefern wir und die Gesellschaft generell wirklich zum Klimaschützen und zu Einschränkungen bereit sind.

Am zweiten Tag haben wir uns umfassendes, neutrales Hintergrundwissen angeeignet und uns über die verschiedenen Möglichkeiten der Energiegewinnung, Verarbeitung und Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie Kosten und Umweltverträglichkeit informiert. Am Ende hatten wir zu den Hauptgruppen Atomenergie, Alternative Energie und fossile Brennstoffe konzentrierte Fakten und Pro-Contra-Listen, die eine sehr gute Grundlage für das Science Date waren.

Science Date - war das Zusammentreffen mit Energieexperten von E.ON und dem Wuppertalinstitut. E.ON brachte uns die Struktur des deutschen Strommixes und die aktuelle Energiewirtschaft näher, der Referent des Wuppertal Instituts holte uns durch wegweisende Forschungsergebnisse und Erfahrungsberichte aus 40 Jahren Klimapolitik auf den Stand der Wissenschaft. Da wir alles weiterführend, kritisch und sehr direkt hinterfragen durften, entstanden lustige und interessante Gesprächs- und Diskussionsrunden, an deren Ende wir einen realistischen 10-Punkte-Plan für die Zukunft der Energiewirtschaft auf die Beine stellten.

Voll mit Fakten, Zukunftsvisionen, Theorien und praktischen Plänen ereichten wir am dritten Tag das Highlight unserer Reise: Das Steinkohlekraftwerk in Datteln. Mit den Blöcken eins bis drei (6700 Betriebsstunden pro Jahr) ist Datteln ein Hauptversorger der Deutschen Bahn und zudem Lieferant für Fernwärme. Der neue effizientere und umweltschonendere Block 4 (Hintergrund Foto) ist zurzeit im Bau. Unsere Führung durchs Innere des Kraftwerks war eine einmalige Erfahrung: vorbei an glühender Kohle, durch das wahnsinnig heiße Kesselhaus, bis aufs Dach (Foto), durch das komplizierte Kontrollbüro, durch die extrem laute Turbinenhalle bis zu den Kühltürmen.

Verschwitzt, staubig und auch hungrig (aber dennoch gut gelaunt:) sind wir zum Abschluss zum E.ON Gebäude in Essen gefahren, wo wir in einem schicken Konferenzraum zunächst sämtliche Schnittchen und Kekse verdrückten, wo wir uns dann über eine Karriere in der Branche und bei E.ON informieren konnten. Schließlich mussten wir viel zu früh wieder nach Hause fahren und uns von den Leuten der letzten drei Tage verabschieden Aber vielleicht gibt es noch Klimacamp Teil 2.

Anja Matter